Station 4, Beschreibung

Zwar entstand das Genre der Geschichtskarte bereits während der Renaissance, jedoch konzentrierten sich die Kartographen zunächst fast ausschließlich auf die Antike. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts fassten sie auch das Mittelalter und die Neuzeit ins Auge. Auf dieser Karte des nördlichen Baltikums versuchte Wilhelm Christian Friebe (1761-1811), ein livländischer Hauslehrer, der zahlreiche Werke zur Geschichte und Ökonomie des Baltikums veröffentlichte, auf Grundlage der Livländischen Chronik Heinrichs von Lettland (ca. 1187/88 – nach 1259) die Herrschaftsverhältnisse des hohen Mittelalters darzustellen. Ebenso interessant wie die Karte ist ihr Rahmen. Der spätere Professor für Ökonomie und Architektur an der Universität Dorpat, Johann Wilhelm Krause (1757-1828), stellt links unten die einheimische baltischen Bevölkerung als raue Krieger dar. Nichtsdestoweniger müssen sie sich rechts unten einem christlichen Bischof und einer Gruppe von Ordensrittern unterwerfen. Dementsprechend wiegt für die personifizierte Gerechtigkeit auf der Kartusche das Kreuz schwerer als die „Rechte der Nation“.

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